Polizei Bayern
Bewerbung und Einstellungstest

Allgemeine Informationen

Größe

Die Landespolizei Bayern ist, hinter der Bundespolizei und der Landespolizei NRW, die drittgrößte Polizeibehörde in Deutschland.

Mit knapp 30.000 Polizeibeamten stellt sie deutschlandweit einen Anteil von 10,12%.

Bewerberanzahl in BayernAnteil der Bewerber der Polizei Bayern

Jährlich bewerben sich 4.000 Personen auf 1.100 bis 1.400 Stellen, die von der Polizei Bayern ausgeschrieben werden. Nur für 35% der Bewerber wurden also tatsächlich Stellen ausgeschrieben.

Ausbildung

Die Ausbildung erfolgt weitestgehend im uniformierten Wach- und Streifendienst bei einem Polizeiverband in Bayern.

Nach Abschluss der Ausbildung richtet sich die Versetzung des Polizisten nach dienstlicher Notwendigkeit, was bedeutet, dass es ihm nicht möglich ist sich für einen speziellen Polizeiverband (z.B. Schutzpolizei) zu bewerben.

Bewerbung

Die Polizei Bayern stellt jedes Jahr zum 1. März und 1. September neue Polizeianwärter ein. Die Bewerbungsfrist endet in der Regel ca. ein Jahr vor dem Einstellungstag. Die Einstellungsfrist kann bei hohem Personalbedarf bis zu einige Monate später enden.
Bewerbungsfrist

Bewerbungsfrist

Für eine Einstellung zum 1. März 2015 muss die Bewerbung bis zum 30. April 2014 eingehen.

VoraussetzungenVoraussetzungen

Vor der Bewerbung sollte man alle Voraussetzungen der Polizei Bayern überprüfen.

Schritt-für-Schritt zur Bewerbung

1. Online Anmeldung

Die Bewerbung in Bayern wird ausschließlich über die Einstellungsberater abgewickelt. Der Bewerber stellt auf der offizellen Seite der Einstellungsberater eine Bewerbungsanfrage. Jeder Einstellungsberater ist für Bewerber aus einem bestimmten Bezirk (z.B. Oberbayern) oder für ein bestimmtes Sonderprogramm (z.B. Spitzensport) zuständig.

Nach dieser ersten Kontaktaufnahme verschickt die Einstellungsberatung bereits einige Informationsblätter zur Bewerbung sowie einen Arztbogen, der wahrheitsgemäß auszufüllen ist.

2. Beratungsgespräch

Im persönlichen Beratungsgespräch erklärt der Einstellungsberater den Verlauf der Ausbildung und beantwortet offene Fragen. Zu diesem Termin sind bereits folgende Dokumente im Original und als Kopie mitzubringen:

  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Geburtsurkunde
  • Personalausweis bzw. Reisepass
  • Passbild
  • Schulzeugnisse, Berufsschulzeugnisse, Ausbildungsverträge, etc. (siehe Voraussetzungen)
  • Bestätigung über Wehrdienst bzw. Zivildienst

Im Anschluss füllt der Bewerber zusammen mit dem Einstellungsberater die Bewerbungsunterlagen aus. Diese werden dann von ihm bei der Polizei eingereicht.

Wichtig ist, dass der Bewerber sich bereits bei diesem Termin für eine Rangliste entscheiden muss: Dies ist entweder die “Rangliste Bayern”, oder die “Rangliste München”. Bei ersterer kann der Verwendungsort zwar nicht frei gewählt werden, ist jedoch in ganz Bayern möglich. Bei der Rangliste München legt sich der Bewerber für einen langfristigen Zeitraum auf München als Verwendungsort fest, hat durch den hohen Personalbedarf jedoch weniger Mitbewerber pro zu besetzender Stelle (siehe hierzu auch das offizielle Informationsblatt).

3. Landespersonalausschuss

Bei einer Bewerbung für den gehobenen Dienst (3. Qualifikationsebene) ist es zusätzlich notwendig sich für ein Auswahlverfahren beim Landespersonalausschuss anzumelden. Die Anmeldefrist endet i.d.R. Ende Juli des Jahres vor der Einstellung.

Diese Anmeldung ist für den mittleren Dienst (2. Qualifikationsebene) nicht notwendig.

4. Warten

Nach dem Einreichen der Bewerbung, werden die Unterlagen geprüft. Nach ca. 6 Wochen erhält der Bewerber per Post eine Absage oder eine Einladung zum Einstellungstest.

Einstellungstest

Die Polizei Bayern bietet die Bewerbung auf zwei Laufbahnabschnitte an. Diese sind vergleichbar mit dem mittleren (2. Laufbahnabschnitt) und dem gehobenen Dienst (3. Laufbahnabschnitt) anderer Polizeien. Je Laufbahnabschnitt muss ein anderer Einstellungstest abgelegt werden.

Der Kern beider Auswahlverfahren ist gleich (Einzel- und Gruppengespräch, Sporttest, ..). Unterschiede hingegen sind:

  • Für den 2. Laufbahnabschnitt muss zusätzlich ein Sprach- und Grundfähigkeitstest am Computer abgelegt werden.
  • Für den 3. Laufbahnabschnitt ist ein bestandener Einstellungstest des Landespersonalausschusses Bayern Voraussetzung.

Die Polizei Bayern selbst rät Bewerbern dazu sich auf beide Laufbahnabschnitte zu bewerben, da für den gehobenen Dienst lediglich eine sehr begrenzte Anzahl an Stellen besetzt wird.

Den Ablauf des Einstellungstests haben wir für die parallele Bewerbung auf beide Laufbahnabschnitte dargestellt. Die Darstellung des Auswahlverfahrens kann jedoch auf den mittleren bzw. gehobenen Dienst eingeschränkt werden.

Landespersonalausschuss

Alle Bewerber zum gehobenen Dienst müssen sich zunächst dem Einstellungstest des Landespersonalausschusses Bayern unterziehen. Bewerber des mittleren Dienstes sind von diesem zusätzlichen Auswahlverfahren befreit.

Der Test findet im Oktober des Jahres vor der Einstellung statt und dauert 4 Stunden. Es werden diverse Prüfungsorte angeboten, die vom Bewerber frei gewählt werden können.

Deutsche Sprache1. Deutsche Sprache

In 120 Minuten werden die Sprachfähigkeiten des Bewerbers geprüft. Es muss ein Text in Deutsch analysiert sowie eine Abhandlung dazu verfasst werden.

Inhalt

  • Textanalyse
  • Abhandlung

Der Landespersonalausschusses empfiehlt offiziell folgende Bücher zur Vorbereitung:


Wissenstest2. Wissenstest

Der Wissensstand in diversen Schulfächern und der Allgemeinbildung wird in weiteren 120 Minuten abgefragt. Dieser zweite Test umfasst die Themen:

  • Wirtschaft
  • Recht
  • Geschichte
  • Erdkunde
  • Staatliche u. politische Grundlagen Bayerns
  • Staatliche u. politische Grundlagen Deutschlands
  • Staatliche u. politische Grundlagen der EU
  • Kultur
  • Politik

Einstellungstest

computer1. Computertest

Bewerber des gehobenen Dienstes müssen den Grundfähigkeitstest des ersten Tages nicht absolvieren.

computer1. Computertest

Beim Einstellungstest absolvieren die Bewerber des 2. Laufbahnabschnittes zunächst in knapp 2 Stunden einen Test am Computer. Dieser ist aufgeteilt in einen Sprachtest und einen Grundfähigkeitstest.

Im Sprachtest werden die Fähigkeiten des Bewerbers in der deutschen Sprache geprüft, wobei die neue deutsche Rechtschreibung gilt. Die konkreten Tests variieren, geprüft werden jedoch die folgenden Bereiche:

Rechtschreibung

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Diktat
  • Text-Korrektur (Rechtschreibefehler, S.zeichen)
  • Text-Korrektur (neue Rechtschreibung, häufige Fehler, s/ß, aufeinandertreffende Konsonanten)
  • Multiple Choice bei v. Schreibweisen (Wörter)
  • Multiple Choice bei v. Schreibweisen (Sätze)
  • Multiple Choice (Fremdwörter)

Grammatik

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Diktat

Zeichensetzung

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Diktat
  • Text-Korrektur (Rechtschreibefehler, S.zeichen)
  • Lückentext Zeichensetzung

Sprach- und Wortverständnis

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Bedeutung von Sprichwörtern
  • Gegenteilige Begriffe
  • Gleiche Wortbedeutung

Sprachgefühl

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Multiple-Choice (nicht passendes Wort eleminieren)

Der Grundfähigkeitstest ist eine Art Intelligenztest, in dem die logisch analytischen Fähigkeiten des Bewerbers abgefragt werden.

Logisches Denken

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Reihen fortsetzen (Figuren, Buchstaben, Zahlen)
  • Zugehörigkeiten von Grafiken identifizieren
  • Analogien (Wörter, Figuren)
  • Schlussfolgerungen

Orientierungs- und Merkfähigkeit

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Wegstrecke merken
  • Stadtplan merken
  • Personendaten, -gesichter und -geschichten merken
  • Zahlenreihen merken
  • Wörter auswendig lernen
  • Fremdsprachige Vokabeln merken

Geschwindigkeit und Konzentration

Wie wird geprüft? Zum Beispiel so:

  • Rechnen auf Geschwindigkeit
  • Zwei-d/bq-Test
  • Gleichungen ergänzen
  • Zahlen markieren

Die angeführten Aufgaben der jeweiligen Kategorien sind Beispiele und stellen nur einen kleinen Ausschnitt der Aufgabentypen dar.

cup_errorDer Grundfähigkeitstest ist ein Hauptgrund für das Ausscheiden im Auswahlverfahren. Der Bewerber sollte sich frühzeitig mehrere Wochen mit Hilfe der entsprechenden Literatur vorbereiten.

group2. Gruppengespräch

In der zweiten Runde des Auswahlverfahrens werden 4 bis 6 Bewerber an einen runden Tisch gesetzt und sollen ein zufällig ausgewähltes Thema für ca. 45 Minuten diskutieren. Das Thema wird meist aus dem aktuellen Geschehen der Politik, Wirtschaft oder Gesellschaft gewählt. Die Prüfer mischen sich nicht ein, sondern sind stille Beobachter.

Das Gruppengespräch prüft die Konflikt- und Kommunikationsfähigkeit der Teilnehmer. Mit schwierigen Situationen müssen Polizisten professionell umgehen, weswegen die Bewerber auf folgende Punkte untersucht werden:

  • In der Diskussion die Initiative ergreifen, statt passiv teilzunehmen.
  • Den eigenen Standpunkt artikulieren und vertreten.
  • Folgerichtig argumentieren.
  • Durchsetzungsvermögen gegenüber anderen Diskussionsteilnehmern.
  • Konstruktive statt destruktive Kritik ausüben.
  • Soziale Umgangsformen und Integrationsfähigkeit.

Die oben genannten Punkte sind keine Checkliste um den Test zu bestehen. Wichtig ist, dass die Teilnehmer sich aktiv in die Diskussion einbringen, richtig argumentieren und auch in kontroversen Themen angebrachte Umgangsformen beweisen.

lightbulbTipp Einen Vorteil gewinnen jene Teilnehmer, die zur Vorbereitung über einen längeren Zeitraum die Nachrichten bzw. Tagespresse verfolgen. So ist man als Bewerber bereits gut informiert und kann sich im Vorfeld eine Meinung bilden.

Sporttest3. Sporttest

Der Sporttest der Polizei Bayern besteht aus 6 Disziplinen. Die ersten 5 Disziplinen werden mit Schulnoten bewertet und die letzte Disziplin (Schwimmen) unterliegt einem K.O. Kriterium.

Disziplinen

Sit-ups

Der Bewerber muss seinen Oberkörper im Liegen und ohne Schwung so oft aufrichten wie möglich.

Parallelsprünge

Innerhalb einer halben Minute muss der Bewerber eine Kleinbank seitwärts so oft wir möglich überspringen.

Bankdrücken

Auf einer Flachbank wird eine Langhantel mit 60% des Körpergewichtes (45% bei Frauen) so oft wie möglich hochgedrückt.

Pendellauf

Innerhalb möglichst kurzer Zeit muss der Bewerber zwischen zwei Kleinbänken hin und her rennen (insgesamt 4 mal). Die Kleinbänke stehen 10m entfernt und es muss jeweils ein Seiltausch vorgenommen werden (der Bewerber legt ein Seil ab und nimmt ein Seil vom Boden auf).

Coopertest bzw. Dauerlauf

Innerhalb von 12 Minuten müssen so viele 100m Runden wie möglich gelaufen werden.

Schwimmen

Es müssen 100m im beliebigen Schwimmstil innerhalb von 2:45 Minuten zurückgelegt werden.

Wann ist der Sporttest bestanden?

Der Sporttest ist bestanden, wenn..

  • ..der Durchschnitt der ersten 5 Disziplinen mindestens 4,5 ist.
  • ..weniger als zwei Sportübungen mit 6 bewertet werden.
  • ..weniger als drei Sportübungen mit 5 bewertet werden.
  • ..im Schwimmtest die Maximaldauer von 2:45 Minuten eingehalten wird.

 

Wie findet die Bewertung statt?

Die Bewertung findet anhand sogenannter Sportwertungstabellen statt. Beispielsweise erhält man für mehr Sit-ups eine bessere Note. Die Anzahl der benötigten Sit-ups für eine bestimmte Note ist in diesen Sportwertungstabellen festgelegt.

cup_error Die Landespolizei Bayern hat zu allen Sportübungen hervorragende Videos zur Erklärung des Sporttests angefertigt.
cup_error Im Handel gibt es Spezial-Literatur für die Sporttests der Polizei, mit Trainingsplänen für Anfänger und Fortgeschrittene.

Zweiter Tag

4. Einzelgespräch

Das Einzelgespräch ist mit einem typischen Vorstellungsgespräch in der Form eines strukturierten Interviews vergleichbar. Das Ziel hierbei ist die Überprüfung der persönlichen Eignung des Bewerbers für den Polizeiberuf.

Ein interessierter Bewerber ist gut informiert über den Polizeiberuf und hat einen plausible Begründung warum er zur Polizei gehen möchte, die sich bestenfalls “wie ein roter Faden” durch seinen Werdegang zieht.

Auf folgende Fragen sollte sich der Bewerber vorbereiten:

Selbstdarstellung

“Erzählen Sie mir etwas über sich!”

Der Bewerber soll einen kurzen Abriss zu seinem Lebenslauf geben: Welche Schulen hat er besucht? Was sind Lebensereignisse, Hobbies und Umstände, die ihn zur Entscheidung “Polizist werden” führen?

Motivation

Was wird gefragt? Zum Beispiel:

  • “Warum wollen Sie zur Polizei?”
  • “Warum bewerben Sie sich in Bayern?”
  • “Was sind Ihre Ziele?”

Fachliche Fragen oder Fragen zum Polizeialltag:

  • “Warum wollen Sie zur Polizei?”
  • “Warum bewerben Sie sich in Bayern?”
  • “Was sind Ihre Ziele?”

Der Bewerber soll zeigen, dass er sich mit der Polizei auseinandergesetzt hat. Ein motivierter Bewerber mit wirklichem Interesse am Beruf hat sich in der Regel über das Berufsbild, den Alltag und die Aufgaben der Polizei informiert. Jemand der wenig Wissen zur Polizei aufweist, hat sich offensichtlich eher unüberlegt beworben.

Eignung

Was wird gefragt? Zum Beispiel:

  • “Wie würden Sie in Situation .. reagieren?”
  • “Was sind Ihre Schwächen?”
  • “Was sind Ihre Stärken?”

Dabei ist es wichtig ehrlich und authentisch auf diese Fragen antworten zu können, statt vermeintlich “richtige Antworten” einzustudieren. Die beste Vorbereitung ist es sich diese Fragen im Voraus ernsthaft selbst zu stellen und schriftlich festzuhalten. Die von uns rezensierten Bücher enthalten hierzu ebenfalls wichtige Tipps und Übungen.

user_medical_female5. Polizeidiensttauglichkeit

Der Polizeiarzt prüft anhand der sogenannten ‘Polizeidienstverordnung 300’ die körperliche Polizeidiensttauglichkeit im Auswahlverfahren. Die PDV 300 gilt bundesweit, so dass unabhängig von der Polizeibehörde die gleichen Kriterien in der Polizeiärztlichen Untersuchung geprüft werden. Einen guten Einblick in die Polizeiärztliche Untersuchung geben folgende Seiten:

Leider ist der Originaltext der Verordnung nicht öffentlich einsehbar. Deswegen sollte man über die hier angebotenen Informationen hinaus über eventuelle Ausschlussgründe mit seinem Einstellungsberater sprechen.

Rangliste6. Rangliste

Sind alle Tests bestanden, wird eine Punktezahl für den Bewerber errechnet und er wird zusammen mit den anderen Bewerbern in eine Rangliste einsortiert. Die offenen Stellen werden anschließend mit den oberen Plätzen der Liste aufgefüllt. Lehnt ein Bewerber das Stellenabgebot ab (z.B. weil er sich bei mehreren Bundesländern beworben hat), so rücken die hinteren Plätze der Liste auf.

Es geht also nicht bloß darum das Auswahlverfahren zu bestehen. Da es viel mehr Bewerber als offene Stellen gibt, muss der Bewerber auch einen möglichst hohen Rang erreichen um eine Stelle bei der Polizei zu erhalten.

Und jetzt?

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